Rhapsody In Blue (Handloom Rhapsody Blogtour)

Als Ines mich, und alle anderen Mitglieder des Design – Nähteams von Karlotta Pink fragte, ob wir Lust auf eine Handloom Blogtour hätten, saß ich gerade irgendwo in Deutschland auf dem Beifahrersitz. Eine Geschichte sollte es werden, persönlich. Kurz: etwas ganz besonderes. Ich saß also im Auto, hatte eh nichts zu tun und Zeit mich inspirieren zu lassen. Das Erste, das mir in den Sinn kam, war eher Musik, denn echter Gedanke. George Gershwins Rhapsody in Blue. Die Musik verfolgte mich und ich war mir plötzlich ganz sicher: 20 iger Jahre. Das ist es! Warum? Zu dem damaligen Zeitpunkt hätte ich Euch diese Frage gar nicht beantworten können. Eine Melodie im Kopf, ein Gefühl im Bauch. Mehr nicht. Ich suchte Schnitte, entschied mir für Farbtöne dieses wunderbaren Handlooms… Dabei blieb es erstmal.

 

Im Sommer dann, im Urlaub, veränderte sich etwas. In Barnstable, im Südwesten England fand ich einen Laden, der – ja, der etwas in mir bewegte. Anders als alle Antiquariate oder Geschäfte für Vintage-Mode, die ich hierzulande kenne. Echter, liebevoller.

 

 

Das Geschäft zog mich magisch an. Alte Kleider und Accessoires, Mode der 20iger bis 60 Jahre, alte Quilts, Stoffe, Garn. Ich kann nur ganz schwer dieses Gefühl beschreiben, das mich schlagartig erfasste. Ich hatte schwitzige Hände, Herzrasen. Mein Mann konstatierte amusiert: „Warum bist Du denn so rot im Gesicht?“ und ich konnte ihm keine Antwort geben. Üblicherweise hadere ich gerne mit dem Preis eines Kleidungsstücks, überhaupt probiere ich in kleineren Geschäften ungern an, weil ich mich schnell bedrängt und beobachtet fühle. Hier nicht. Ich schlüpfte in das erste Kleidungsstück – und war angekommen.

 

 

 

Ich hadere, wie die meisten Frauen, immer mit meinem Körper. Unzählige Diäten und kritische Selbstbetrachtungen später fühle ich mich in Kleidung von der Stange oft unwohl. Da sitzt es nicht, da ist es unvorteilhaft, hier kommt zuviel Speck zum Vorschein. Mode, die für weibliche Rundungen wie meine, irgendwie nicht gemacht zu sein scheint. Zwischen all der Vintagemode aber war ich zu Hause. Als hätte ich einen Schatz gehoben. Etwas lang Vermisstes wiedergefunden. Unglaublich.

 

 

Tatsächlich kam ich ein paar Tage später noch einmal zurück, um noch einmal zu stöbern und Bilder von all den orginalen Schätzen zu machen. Mein eigentlicher Schatz aber: diese Entdeckung. Ich kann mich schön fühlen, angezogen, weiblich. In Kleidung, die auf andere Art mit dem Körper spielt, als unsere heutige Mode.

Mit einem Mal war meine Gedanke an die Handloom Rhapsody ein warmes Gefühl und Gershwins Musik nicht nur vage Melodie. Mein neues Gefühl passte wunderbar zu der Idee dieser Blogtour.

 

 

 

Eine Rhapsody, also eine Schwärmerei. Und wie ich schwärme. Handloom ist anschmiegsam, weich, fällt wie Wasser und… ich fühle mich darin schön. Der Stoff wird aus  verschiedenfarbigen Fäden gewebt und hat so einen besonderen Schimmer. Und die Farben… ihr wisst, ich habe dazu einen ganz besonderen Faible entwickelt. Wunderbar. Dazu in Indien unter fairen Bedingungen hergestellt; Unterstützung statt Ausbeutung.

 

 

Warum ich mich nun für die 20iger Jahre entschieden habe und nicht ein Swingdress oder ein Kleidchen der 40iger Jahre? Ich glaube, weil mich diese Jahre besonders begeistern. Zugegeben. Die Menschen waren oft arm, meist sehr konservativ und fühlten sich vom Krieg betrogen. Und doch war da etwas, das viele Frauen mutig werden ließ. Einige verdienten das erste Mal eigenes Geld und hatten so die Möglichkeit, sich zu emanzipieren. Und wie sich die Frauen veränderten, veränderte sich auch die Mode. Gerade mit tiefer Taille, maskulin, und eher uniform. Und eben doch auch feminin.

Könnte ich heute so frei und ungezwungen emanzipiert leben ohne das die Frauen von damals etwas angestoßen haben?

 

 

Ich habe mich also dazu entschieden, diesen wunderbaren Handloom in einem Outfit zu zeigen, das den Stil der 20iger Jahre so interpretiert, dass er heute tragbar ist. Ich will mich ja nicht verkleiden, sondern ein Gefühl tragen.

 

 

Das Herzstück meines neuen Outfits ist meine Bluse mit Schärpe. Der Schnitt passt u.a. deshalb so gut, als er perfekt an meine Maße angepasst ist und nicht einfach nur einer Maßtabelle der gängigen Kleidergrößen entstammt. Die Anleitung dazu stammt von Sew Over It und ist eigentlich ganz simpel. In der Schärpe habe ich u.a. auch roten Handloom verarbeitet und ich mag den Effekt sehr.

 

 

Die 20iger Jahre prägte auch ein Hang zum Luxus. Glitzer und Glam allerorten und so war die passende Brosche eigentlich ein Muss. Dazu der sanfte Schimmer des Handlooms. Schön.

 

 

 

Mein Lieblingsteil: der Hut. Ich sehe bereits die irritierten Blicke meiner Freundlinnen vor mir. Hut? Ja, Hut. Als Jugendliche trug ich fiel und gerne Hut. Warum also nicht wieder damit anfangen? Ursprünglich hatte ich etwas Zarteres, Kleineres für mein Haupt geplant. Maximal ein Haarband sollte es werden und dann zogen mich die Bilder wunderschöner Frauen der 20iger Jahre in ihren Bann. Alle mit Hut. Warum also nicht?

 

 

Seitlich habe ich ein Blatt aus Stoff angebracht, mit einem kleinen Knopf verziert. Die Krempe lässt sich auch hochklappen, was mir irgendwie einen frechen Ausdruck verleiht, finde ich. Ist es nicht ein Glück, mit tollen Stoffen und Farben spielen zu dürfen?

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu guter Letzt eine kleine Clutch. Der Schnitt selbstgebastelt, obenauf eine kleine Patchworkarbeit aus Handloom. Was wäre Frau ohne Tasche?

 

 

 

 

 

 

 

Handloom Rhapsody. Ja, ich kann es nicht lassen. Ich muss noch ein bißchen schwärmen. Davon, dass ich glaube, endlich meinen Style gefunden zu haben. Ich schließe langsam mit meinem Körper Frieden und fühle mich wohl. Und schön.

Das wunderbare an indischem Handloom ist, dass mir durch ihn etwas gelungen ist, das ich nie und nimmer für möglich gehalten hätte. In England wurde ich in einem kleinen Vintage-Laden überrollt von enthusiastischer Begeisterung. Mein Herz sprang über angesicht  der alten Kleider, Hüte, Schmuckstücke. Mit meinem Outfit, meiner ganz persönlichen Handloom-Rhapsody, habe ich dieses Gefühl mitnehmen dürfen. Nach Hause und in meinen Alltag.

 

 

 

Ihr wollt noch mehr Vintage-Schwärmereien sehen? Dann schaut doch mal bei PeterSilie & co vorbei. Heute hält die Blogtour auch bei Ihr.

 

 

 

Jeder Teilnehmer der Blogtour erzählt ganz wunderbare Handloom-Geschichten, die es lohnen, gelesen zu werden.

Sonntag, 24.9.     Meine Wurzeln

Tweed and Greet

Montag, 25.9.      Familienbande

Ella Fabrics

Langes Fädchen – faules Mädchen

Dienstag 26.9.     Über mich

TilliT

Kreamino

                               Mittwoch 27.9.      Vintage                              

  fine fabric

PeterSilie & Co

Donnerstag 28.9  Von West- nach Mostindien

Brennesselein

Freitag 29.9.       Modeklassiker neu aufgelegt

Die Grinsekatze CH

   Buxsen

Samstag 30.9.    Von Farben inspiriert

Petersilie & Co 

Selbstgenähtes von Mairo O. 

Sonntag 01.9.     Boys Fashion  – Koloniales Indien

Josephin Theres

 

 

 

Gute Dinge sollte man teilen und so darf ich einen Rabattgutschein von 10%  bei Karlotta Pink verlosen!

Wie Ihr gewinnen könnt? Kommentiert einfach diesen Post! Ich freue mich über jede Nachricht, denn meine persönliche Handloom-Rhapsody liegt mir sehr am Herzen. Die Verlosung endet mit dem Ende der Blogtour am 1. Oktober 12:00 Uhr! Viel Glück!

 

Und bis bald!

See you soon!

Eure

JULIA

 

Stoffe: Karlotta Pink Handloom azur melange  und Waffel schwarz rot

Schnitt Shirt: Sew over it

Schnitt Hut: Elsewhen Millinery über Craftsy oder Etsy

Schnitt Clutch: selbstgebasteltet

Gefühl: unbezahlbar

 

Verlinkt bei Modern Patch Monday

7 Antworten

  1. […] heutigen Tag mit dem Thema Vintage bestreitet mit mir Julia von Fine Fabric und lustigerweise hatte sie den gleichen Gedanken wie ich, 20er Jahre modern. Wer also noch mehr […]

  2. Toller Text.
    Hach in so einen Laden würde ich auch gerne mal stöbern.
    Und ich wiederhole mich vermutlich der Hut ist mein Highlight, ich muss mich auch an dem Schnitt versuchen.

  3. Ach.
    Ach.
    Sooooo zauberhaft. Ich hab grad richtig Lust auf 20er 😊 Deine Schwärmerei steckt an ♡

    Liebe Grüße.
    Tatiana

  4. Liebe Julia
    Ein sehr schönes Outfit, ich mag es sehr! Auch der Hut schaut super aus! Ich hatte vor kurzem ähnliche Gedanken diesbezüglich, ich trug früher sehr gerne Hüte, nur leider ist es irgendwie in Vergessenheit geraten.. Aber Du inspirierst mich gerade, es wiedermal zu versuchen! 🙂
    Liebe Grüsse,
    Franzisca

  5. Liebe Julia,

    und wieder so eine schöne Reise in die Gedanken und Gefühle. Schön. Nicht nur die Gedanken, die dich zu dem Ergebnis gebracht haben, welches du uns hier zeigst, sondern auch einfach weil ich sehen kann wie zufrieden und glücklich du in deinem 20er Jahre Stil- Dress bist. Ich finde es sehr gelungen und kann nur sagen es steht dir sagenhaft gut.

    Liebe Grüße

    Judith

  6. […] 26. September 2017   Tanja von Tillit & Dominic von Kreamino 27. September 2017   Julia von Fine Fabric und Sabine mit ihrem Beitrag zur einem 20er Jahre Vintagekleid 28. September 2017   Franziska […]

  7. Dieser Hut steht dir sooooo gut und der Stoff sieht toll aus und dann noch fair hergestellt! Das sollte man unterstützen!!! Lob für die kreative Idee und den persönlichen post 🙂

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